Eine rundum gelungene Premiere

Gemeinde Grefrath.
Das Niederrheinische Freilichtmuseum an der Dorenburg hatte erstmals das Niederrhein-Theater aus Brüggen zu Gast. Aufgeführt wurden zwei Tschechow-Einakter: „Der Bär“ und „Der Heiratsantrag“. Das Publikum spendete viel Applaus.
Von Eva Scheuss

Ein wenig Glück gehört halt auch immer dazu. Bei der Premiere eines neuen Theater-Konzepts im Außenbereich des niederrheinischen Freilichtmuseums in Grefrath waren die Wetterbedingungen ideal. Der Spätsommer zeigte sich von seiner schönsten Seite. Ein milder, windstiller Abend mit aufgehendem Mond schuf den perfekten Rahmen für ein romantisches Theatererlebnis. Das Niederrhein-Theater aus Brüggen präsentierte das erste „Kultstück im Gehöft“. Idee ist es dabei, die historischen Gebäude des Museums als Kulisse zu verwenden, sie mit dem dramatischen Geschehen in bester Symbiose zu verschmelzen. An zwei wechselnden Orten, im Innenhof der Dorenburg und – nach der Pause – in der Hofanlage Hagen sahen rund 60 Zuschauer zwei kurze Komödien des russischen Autors Anton Tschechow (1860-1904).

Die Gäste hatten es sich vor Beginn der Veranstaltung zunächst im Innenhof der Dorenburg auf dort aufgestellten Stühlen bequem gemacht. Vorausschauende hielten Jacken, Sitzkissen oder Decken bereit, um kühleren Abendtemperaturen begegnen zu können. Tschechow selbst bezeichnet die beiden im Jahr 1888 uraufgeführten Dramen als „Scherz in einem Akt“. Sie zeigen seine humorvolle Seite, deftig, prall und unterhaltsam. Und die illusorische Kraft einer „echten“ Kulisse, gepaart mit professioneller Schauspielkunst machten es mit kleinem Ensemble und nur wenigen Requisiten möglich: Die Zuschauer konnten sich in „Der Bär“ sogleich an den Ort des Geschehens versetzt fühlen.

Der Innenhof der historischen Wasserburg am Niederrhein verwandelte sich ohne große Mühen in das Landgut der Witwe Popova irgendwo in der russischen Weite. Verena Bill verkörpert perfekt die trauernde Witwe, die sich seit dem Tode ihres Mannes von der Außenwelt abgeschottet hat und nur von ihrem alten Diener Luka (Christian Stock) begleitet wird. Und tatsächlich wird das große grüne Holztor zum Innenhof mit Beginn des Stückes geschlossen. Der Hof bildet nun ein Areal, das gleichzeitig Bühne und Handlungsraum ist und den Zuschauer ganz nah an das dramatische Geschehen heranrückt. Aus einer Tür auf der rechten Gebäudeseite betreten die Schauspieler ihre Außenbühne, am Rand hat sich Thomas Lillig am Piano eingefunden. Er untermalt das Geschehen mit kurzen musikalischen Einwürfen. Dann taucht polternd und wild der Gutsbesitzer Smirnoff auf, um Spielschulden des verstorbenen Gatten einzutreiben. Er pocht laut an das Tor, stürmt in den Innenhof. Lebhaft und dramatisch mimt Michael Koenen den unter großem Druck stehenden, wütenden Mann. Und der trifft in seiner ungestümen Art auf die elegante, vornehme Witwe, die vor allem eines will: ihn wieder loswerden. Als die beiden Charaktere in ihrer ganzen Entschlossenheit aufeinanderprallen, geschieht Unerwartetes. Die beiden verlieben sich ineinander und werden ein Paar.


In der Pause dann servieren Mitglieder des Museumsvereins Getränke und Brezeln. Das Tor der Dorenburg wird wieder geöffnet und die Besucher begeben sich allmählich in Richtung der nur wenige Meter entfernt liegenden Hofanlage Hagen. Dabei können sie als exclusive Gäste die beschauliche Abendidylle des Freilichtmuseums genießen, überqueren den Brückengang ins Museumsgelände, vorbei an friedlich grasenden Kaltblütern und spätsommerlich blühenden Bauerngärten.

Beinahe intim ist die Atmosphäre dann im zweiten Teil des Abends inmitten der reetgedeckten bäuerlichen Fachwerkhäuser. Dort kommt das Stück „Der Heiratsantrag“ zur Aufführung, bei dem Christian Stock als heiratswilliger Kandidat mit allerlei Beschwerden sein ganzes komödiantisches Talent entfalten kann. Zu unfreiwilligen Hauptdarstellern küren sich indes die beiden Pfauen, die sich von den Dachfirsten der Hofanlage aus laut schreiend in das Geschehen einmischen und für große Heiterkeit im Publikum sorgen. Das macht sich nach einem erneuten Happy End und großem Applaus beschwingt auf den Heimweg durch das nun nachtdunkle Gelände des Freilichtmuseums, über dem nur noch der Mond leuchtet.

Quelle: RP hier geht es zum Originalartikel…

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